Der Erfolg ihrer Arbeit ist ziemlich bescheiden, ihre eigen Lage dagegen äußerst komfortabel: Selten hatten die kleine Parteien größeren Wählerzulauf als heute. Die Grünen notieren zweistellig, die FDP liegt konstant zwischen sieben und acht Prozent bei der Sonntagsfrage. FDP - Chef Guido Westerwelle verbessert sein Ansehen zwar langsam aber stetig auf Rang acht im aktuellen Ranking. Und über allen thront der präsidentiale Joschka Fischer von den Grünen mit meilenweitem Sympathievorsprung: 75 Prozent sind mit seiner Leistung zufrieden: Die Kleinen reiten scheinbar auf einer beispiellosen Woge des Erfolgs. Tatsächlich jedoch leben Grüne und FDP von der Gnade der schlechten Lage. Weil vielen ehemalige Anhänger der Großen inzwischen ihre politische Heimat genommen wurde, sind sie zum jeweiligen Koalitionspartner gewechselt: Jeder siebte der aktuellen 12 Prozent Grünen - Wähler hat 2002 noch SPD gewählt. Gleich viele der aktuell neun Prozent FDP – Anhänger die Union.
Zwei Gründe sind für den „Aufschwung“ verantwortlich. Der eine: die schlechten Zeiten und der ultimative Reformdruck, die zum desaströsen Ansehen der Großen führt: Die SPD macht für 80 Prozent schlechte Politik, die Union ist für 82 Prozent derzeit die zerstrittendste Partei: Die Wählerwut konzentriert sich daher auf die Großen - und die Kleinen bleiben außen vor. Der Wähleranteil der Großen ist unter 70 Prozent gerutscht, Hochkonjunktur für die Kleinen. Die nämlich haben den Status der Union des Jahres 2003: Sie können Hoffnungen wecken ohne Alternativen entwickeln zu müssen. Politik läuft nach dem „Wie Du mir – so ich Dir“ – Prinzip: Die Großen tun den Wählern weh, also tun die Wähler auch ihnen weh. Genau umgekehrt verhält es sich mit den Kleinen.
Der zweite: Grüne und FDP verfügen über die „besseren “ Wähler. Ihr liberal – bürgerlichen Milieu kann noch am ehesten Reformen einsehen, weil sie nicht in ihren Wurzeln davon getroffen werden: Unter ihren Wähler ist Reformfreudigkeit besonders ausgeprägt. Zudem nimmt GelbGrün den Arbeitslosen und unterstützt vor allem ihre Klientel, die Bürgerlichen und die Ökofreunde.
Nicht ohne Risiken und Nebenwirkungen. Denn zwischen Stimmung und Leistung klafft auch bei den kleinen ein großer Unterschied: „Wie zufrieden sind Sie mit der politischen Arbeit von Grünen und FDP?“ Im Vergleich zur Zeit der letzten Bundestagswahl ging es für die Liberalen herunter von 37 auf 25 Prozent. Und mit den Grünen waren im Oktober 2002 noch 43, jetzt nur noch 28 Prozent zufrieden.
Ihr Erfolgsrezept: Die Tagesschau findet in der Regel ohne sie statt: Nicht sie sondern die Großen verkünden täglich neu die Notbotschaften und bekommen den Volkszorn ab. Seitdem klar ist, dass auch die Entscheidung 2006 zu einer Lagerwahl wird, wissen die Grünen sich richtig zu verhalten: Ruhe geben, Hoffnung stärken, nicht vorpreschen und jeden Streit mit dem Koalitionspartner aus dem Wege gehen: Sie reüssieren derzeit nicht mit grüner, sondern mit „No -Name - Politik“: Bloß kein Streit, um den angeschlagenen Koalitionspartner nicht noch mehr in Bedrängnis zu bringen. Deshalb ist ihre gute Lage nicht wirklich komfortabel: Weil sie mit „nice-to-have“ statt „need-to-have“ – Themen wie Öko, Verbraucherschutz und Weltfrieden in Zeiten der Not nicht wirklich Hoffnungsträger ist.
Auch die FDP lebt vor allem vom günstigen Politklima: Sie sind wieder in Europa, Sachsen und an der Saar vertreten, bei 26 der letzte 27 Wahlen gewannen sie hinzu: Zudem hat sie unterschwellig deutlich gemacht, der wirkliche Reformmissionar zu sein. Wenn nun selbst Schröder Botschaften verkündet, für die der ehemalige BDI - Chef Henkel noch vor fünf Jahren Prügel bezog, dann sind eben sie der Geist der Reformen. Und deutlich kompetenter als die Grünen: 46 Prozent halten die FDP, nur 29 Prozent die Grünen für kompetenter.
Doch auch bei ihr lauern Gefahren: Die FDP droht nämlich überflüssig zu werden, wenn alle Großen ihre Leitgedanken predigen. Um weiter erfolgreich zu bleiben, muß sie zum ständigen Antreiber und Kontrolleur werden.
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