Experte kritisiert aktuelle Diskussion um Krankenversicherung
Als „gesundheitspolitische Knoblauch-Schokolade“ bezeichnet der Gesundheitsexperte der Stiftung Liberales Netzwerk, Carlos A. Gebauer, die derzeitigen Überlegungen der Bundesregierung, gesetzliche Kassen und private Krankenversicherer in Wettbewerb miteinander treten zu lassen.
„Krankenkassen sind nichts anderes als Behörden mit staatlichen Machtbefugnissen“, so Gebauer. Mit einer Behörde aber könne ein privates Unternehmen niemals konkurrieren. Beide Versicherungsmodelle beruhten auf grundverschieden Konzepten: „Wer glaubt, ein gesundheitspolitisches Wettbewerbs-Modell aus beiden Konzepten nebeneinander gestalten zu können, der muss auch erklären können, unter welchen Bedingungen Knoblauch und Schokolade gleichzeitig schmackhaft sind.“
Weil aber jeder wisse, dass man vernünftigerweise nur ENTWEDER öffentliche Schokolade ODER privaten Knoblauch essen könne, verbiete sich die angedachte halbprivate-halböffentliche Wettbewerbsvariante im Ergebnis ebenso, wie das bislang praktizierte Nur-Schokoladen-Modell.
„Allein die aktuelle Diskussion zwischen Frau Schmidt, der SPD und Herrn Seehofer auf der einen und der Opposition auf der anderen Seite zu der Frage, wie die Kosten der Zahnbehandlung bürokratisch organisiert sein sollen, beweist die generelle Untauglichkeit einer planwirtschaftlichen Steuerung der Volksgesundheit“ kommentierte Gesundheitsexperte Gebauer die jüngsten Vorschläge aus den Parteien.
Die einzig mögliche, nachhaltige Lösung aller gesundheitspolitischen Probleme liegt nach Auffassung der Stiftung Liberales Netzwerk in einer konsequenten Privatisierung des Gesamtsystems. Nur eine generelle Kapitaldeckung der Krankheitsrisiken und die Verabschiedung von den Umverteilungselementen des bestehenden Systems bringe Zukunftschancen für das System. Schon kurzfristig sollte daher eine Umwandlung der gesetzlichen Kassen in privatrechtlich organisierte Rechtsformen, wie etwa Aktiengesellschaften, begonnen werden. Der Verkauf der Kassen auf dem Kapitalmarkt könnte den ersten Grundstock einer Kapitaldeckung schaffen.
Für die Bürger müsse laut Gebauer „eine allgemeine Versicherungspflicht mit einem Kontrahierungszwang der Versicherer kombiniert werden. Bedürftige erhalten ihren Versicherungsbeitrag aus Steuermitteln bezahlt.“
Das Liberale Netzwerk ist eine gemeinnützige überparteiliche Stiftung, die sich für liberales Gedankengut in der Gesellschaft einsetzt und von prominenten Kuratoren wie Gerd Schulte-Hillen, August Oetker, Arnulf Baring, Oswald Metzger oder Kanu-Olympionikin Birgit Fischer getragen wird.
Berlin, 23. August 2004 |