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Schlechte Noten in Mathe und ein Kübel Spott für die Wilms-Wowereits der deutschen Medienlandschaft

In der Neuen Zürcher Zeitung vom 14. September macht Dr. Hans Wolfgang Brachinger auf einen grundlegenden und weitreichenden Fehler in der Debatte zur Einwanderungspolitik aufmerksam. Der deutsche Professor forscht an der Universität Fribourg und ist ein ausgewiesener Fachmann für volkswirtschaftliche Statistik.

Seine Diagnose für Sarrazin, Wilms, Wowereit und weite Teile der veröffentlichen Meinung lautet auf „statistischen Analphabetismus“. Zwei Mathematikfehler hebt er besonders hervor: die Nutzung deskriptiver Tabellen für die Ableitung komplexer Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge (im Falle Sarrazin) und die Diskussion von Einzelfällen, um Durchschnittswerte zu verstehen (in den anderen Fällen). Der Fachmann ist im übrigen wohl zu wenig Technokrat und zu sehr Realist, um zu behaupten, daß sich das Land mit mehr Mathematikern in der Öffentlichen Verwaltung besser entwickeln würde.

Der Befund von Brachinger reicht weit über die Einwanderungsdebatte hinaus, denn er zeigt exemplarisch, warum die öffentliche Diskussion die Verwirrung und Probleme erzeugt, die sie aufzulösen vorgibt. Seine Analyse geht auch tiefer als das übliche „glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“. Es wird klar, warum die Fürsorge des Sozialstaats für Millionen den Einzelnen in der Abhängigkeit bindet und warum nach 40 Jahren Bildungsreform die Zeugnisse der Kinder immer noch von denen der Eltern abhängen. Der falsche Lösungsweg führt eben nicht nur in der Matheklausur zu falschen Ergebnissen. Die Behauptung unbewiesener und unbeweisbarer Zusammenhänge und die Hochrechnung vom Einzelfall auf die Gesellschaft sind die Ursache für das Versagen der öffentlichen Debatte. Dabei ist es gleichgültig, ob der Blick auf die Realität durch Wahlergebnisse oder Einschaltquoten getrübt ist. Mathematisch ist es Unsinn, gesellschaftlich ist es Irrsinn.

Dem statistischen Analphabetentum wird man zuerst sachlich begegnen, indem man die Rechenfehler im Einzelnen und die Grenzen der Statistik im Ganzen aufdeckt. Gleich darauf folgt die Frage nach der Motivation der Meinungsführer. An diesem Punkt geht es nicht mehr um eine Grenze der Wissenschaft, sondern um die Entscheidung, ob jemand dem Individuum oder dem System vertraut. Hier ist liberale Haltung jenseits jeder Parteipolitik gefordert und das Vertrauen auf das Verantwortungsbewußtsein und die Kreativität des Einzelnen, die allein der Ausgangspunkt für die Lösung der gesellschaftlichen Aufgaben sein werden.

Zum Schluß die Webseite mit den Zahlen (und nicht die Zusammenhänge) vom Statistischen Bundesamt zur Erwerbstätigkeit und Bildungsabschluß der „Bevölkerung mit Migrationshintergrund“: www-ec.destatis.de.

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