Liberale Gesinnung – Portrait von Hergard Rohwedder aus der Rheinischen Post

Liberale aus Gesinnung – dieses Etikett beschreibt Hergard Rohwedder am besten. Die Gründerin des Liberalen Netzwerks, einem der Grundsätze des Liberalismus verpflichteten überparteilichen Kreises, leidet am Niedergang der FDP. „Ich bin deshalb jetzt eingetreten. Wenn nicht jetzt, wann dann?“, bekennt die Witwe des früheren Treuhand-Chefs und Stahlmanagers Detlev Rohwedder, der 1991 durch ein Attentat der RAF sein Leben verlor. Für die liberale Szene in Deutschland ist Rohwedder so etwas wie Johanna von Orléans für Frankreich – kämpferisch, direkt, aber auch charmant und fürsorglich. Wenn sie Veranstaltungen über ihr Netzwerk organisiert, kommen Spitzenpolitiker, Top-Manager und andere hochrangige Vertreter des öffentlichen Lebens. Meistens geht es um Freiheit und Selbstverantwortung, die beiden Lieblingsvokabeln der liberalen Ikone. Sie ist deshalb auch gerngesehener Gast bei vertraulichen Zusammenkünften der politischen und wirtschaftlichen Eliten, und sie lädt selbst gerne ein – in ihre vornehme Düsseldorfer Wohnung. Sie schafft es, dort einflussreiche und interessante Gäste zu versammeln. Die lassen sich gern von der scharfzüngigen und schlagfertigen Gastgeberin herausfordern.

Ihre gesellschaftliche Stellung verdankt Rohwedder nicht nur ihrem ermordeten Mann. Natürlich haben Politiker und Manager auch wegen dieses Schicksalsschlags die Nähre dessen eloquenten Gattin gesucht. Die gelernte Juristin, die auch ein Jahr an der Rechtsfakultät der Universität Chicago studiert hat, sammelte selbst als Richterin am Verwaltungsgericht Düsseldorf viele Erfahrungen. Sogar als Richterin am Verfassungsgericht war sie im Gespräch. Sie lehnte aber zugunsten der Betreuung ihrer beiden Kinder ab. „Ich habe mich gegen eine solche Karriere entschieden, weil ich wegen der Kinder nur halbtags arbeiten wollte“, sagt Rohwedder. Den Schritt hat sie übrigens nie bereut, weil es für sie eine freie Entscheidung war. „Ich bin eine konservative Feministin“, meint die Düsseldorferin, die zwar für die völlige Gleichberechtigung eintritt, aber weder Frauen noch Männer nur auf den Beruf fixiert sehen will. Trotzdem sieht sie noch viel Arbeit, bis die Frauen gleichberechtigt sind. „Deshalb ist Frauenförderung nötig, aber nicht durch den Staat.“

Autor: Martin Kessler, Rheinische Post am 7. März 2015

 

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