Sommertheater 2014 – Seehofer gibt sich entspannt

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Piep, piep, piep, keiner hat mich lieb – In der Welt am Sonntag stellt Horst Seehofer II. von Bayern die Maut in Frage, erteilt Order an Gabriel und weint die sprichwörtlichen Krokodilstränen des alpha-Männchens über sein Bild in der Öffentlichkeit.

Wer Neuigkeiten vom wundersamen Ministerpräsidenten von Bayern und Professor ehrenhalber der Universität Qingdao möchte, dem/der sei die Welt am Sonntag empfohlen. Frei von Selbstzweifeln präsentiert sich der amtierende Ministerpräsident des Freistaates Bayern. Standesgemäß im Hofgarten der Münchner Residenz. Im dunklen Anzug im Stil eines Konfirmanden, sorry: in diesem Fall natürlich Firmling, mit weißem Hemd und Krawatte (Hinweis an den Schneider: die Arme und die Hosenbeine sind zu lang). Die Krawatte legt er dann ab. Ist ja auch ein Sommerinterview.

Das ist doch fast schon so entspannt wie seine Sprache. Das von ihm gebrauchte „Nix“ bedeutet lt. Wahrig von 1966 „Wassergeist“. Der Gebrauch des „x“ statt „ch“ wird bei der „Gesellschaft für deutsche Sprache“ (GfdS) nicht sehr freundlich beurteilt. „Nichts“ kann er aber mit „nix“ auch nicht gemeint haben, denn auf Nachfrage führt er mindestens vier Dinge auf, die der Normalbürger durchaus als „etwas tun“ im Sinne von „nicht nichts tun“ auffaßt. Vielleicht sollte der Ministerpräsident die Dienste der GfdS in Anspruch nehmen. Diese ist als „Redaktionsstab beim Deutschen Bundestag“ vertreten. Und für Politiker, anders als für den Normalbürger, unter der kostenfreien Telefonnummer 030 227 33066 erreichbar. Für den Moment kann man annehmen, daß dem volkstümelnden Kurzzeit-Bundespräsidenten von 2012 die sprachlichen Pferde durchgegangen sind. Geschwurbel mag man es bestenfalls nennen.

Übermäßig ausgeprägtes Selbstbewußtsein ist sowieso die Schublade, in die der Mann am besten paßt. Das Abwatschen des Innenministers Herrmann („nicht jeder seinen Senf dazugeben“) in Sachen „Maut“ bewertet er in der Welt „als sehr sachlich“ und sein Recht als Parteivorsitzender (!). Den Blick ins Lexikon und in die bayerische Verfassung kann man sich da endgültig sparen.

Bei der „Maut“ genannten neuen KFZ-Steuer öffnet sich Seehofer übrigens wenig dezent ein Hintertürchen: natürlich versichert er dem zuständigen Bundesminister „unsere“ (hier spricht er hoffentlich als CSU Parteichef, sonst wäre es ein Pluralis Majestatis) „totale Unterstützung“. Aber: später werde man „über die Einzelheiten diskutieren“. Wird also im Herbst diese Steuerhöhung aus europarechtlichen Gründen oder wegen zu hohem Verwaltungsaufwand abgesagt, dann wird er mit Verweis auf dieses Interview sagen können „das habe ich immer schon gesagt“.

Seine Beschreibung der Diskussion mit seinem Bundes-Koalitions- und Parteichef-Kollegen Gabriel (SPD) läßt keinen Zweifel über die Befehlskette: „Ich habe mit Sigmar Gabriel vereinbart, dass er mit allen Betroffenen spricht. Nach der Sommerpause werde ich ihn fragen, wie weit er gekommen ist.“ Hier wird Gabriel in aller Öffentlichkeit zum Referenten für eine Sachfrage befördert und die Wiedervorlage der Aufgabe vor laufenden Kameras angekündigt. Dahinter kann man kaum „modernes Verwaltungsverständnis“ oder das Transparenzbedürfnis eines Demokraten vermuten. Vielmehr hat er das nächste Ziel einer öffentlichen Degradierung seinerseits benannt. Keine Überraschung, denn bekanntermaßen war ja schon seinem Vorgänger im Amt des Großen Vorsitzenden egal, „wer unter ihm Kanzler ist“.

Mit der Gleichsetzung nationaler Wirtschaftsinteressen und dem Rüstungsstandort Bayern wird nochmal klar, daß seine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit („Der Seehofer ist hart, der ist kühl„) kein Zufall, sondern die richtige Bewertung seiner langjährigen Tätigkeit ist. Das ist kaum ein Anfall von Gefühlsduselei, sondern Kalkül wie man es einer Margot Honecker zutraut. Dieser Mann will keinen Pardon geben und tritt in die Fußstapfen seines (Waffen)Bruders im Geiste, dem sozialistischen Sonnenkönigs Hollande XIV. von Frankreich.

Der letzte Tritt des Ministerpräsidenten gilt dann der FDP, die er als Koalitionspartner nicht mal mehr nennt. Die FDP möge sich „aufrichten“ wünscht er (!) sich. Zum Glück für die FDP will er das nicht selbst machen, auch wenn er es sich natürlich zutraut („ich kann nicht auch noch FDP-Vorsitzender werden“). Da kann man nur hoffen, daß Selbstüberschätzung und Volksverdummung im neuen Verständnis der FDP keinen Platz mehr haben werden.

Zitate aus: http://www.welt.de/politik/deutschland/article130592696/Seehofer-attackiert-Gabriels-Kurs-bei-Waffenexporten.html

Bildquelle: Bayerische Staatkanzlei

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